Teil 4: Reutte in Tirol - Ehrwald (Zugspitzbahn)
Auch in Reutte ist bald die Abfahrtszeit erreicht, wir wollen schließlich weiterfahren, weiter auf der am 29. Mai 1913 eröffneten Strecke von Reutte in Tirol nach Garmisch-Partenkirchen. Der Fahrdienstleiter hat bereits die Schranke über die Mühler Straße elektrisch geschlossen und sein Gruppenausfahrsignal auf Fahrt gestellt. Anschließend gibt er unserem Zug den Abfahrauftrag. Unser Tf beschleunigt den Zug kurz auf 40 km/h. Kurz darauf haben wir die Mühler Straße überquert und wir fahren in eine enge Linkskurve. Ein paar Pfiffe folgen, denn hinter der Kurve befindet sich ein technisch nicht gesicherter Fußgängerüberweg. Unmittelbar danach erkennen wir links den Bahnsteig der Haltestelle Schulzentrum Reutte (direkt daneben liegt auch das große Schulzentrum). An dieser erst am 13.9.1993 eröffneten Haltestelle (ÖBB-km 0,5) gibt es immer eine Reihe von Ein- und Ausstiegen, nicht nur bei Schulbeginn bzw. -ende.
Nachdem auch hier der Fahrgastwechsel beendet ist, schließt unser Zugführer
die Türen und gibt den Abfahrauftrag. Nun wird von Mensch und Maschine alles
abverlangt, was heißen will, nun geht es über mehrere Kilometer bis zu 40 %o
hinauf. Zunächst folgt noch eine Gerade, in der Schwung geholt werden kann. Es
geht über 2 Bahnübergänge, der 1., über den Königsweg, ist technisch nicht
gesichert. Nachdem dann
der Friedhof vom Reuttener Ortsteil Breitenwang an uns vorbeizog wird mit dem 2.,
mit Schranken abgesicherten Überweg, die Metallwerk-Plansee-Straße gekreuzt. Nun sollte unser VT schon eine
ordentliche Geschwindigkeit erreicht haben, denn nun geht es in die Steigung. In
einer langgezogenen Rechtskurve wird zunächst die B 179 überquert (links
führt sie bekanntlich Richtung Pfronten/Füssen, rechts Richtung Fernpass), die
nächste Straße führt links vorbei an einem Sägewerk Richtung Plansee/Schloss
Linderhof/Oberammergau.
Nun geht es in leichten Links- und Rechtskurven hinauf, durch den Ortsteil
Kreckelmoos Richtung Lähn. In Lähn liegt die Haltestelle Bad Krekelmoos
(ÖBB-km 3,6 - 938 m über NN). Hier halten nur einige Züge in der Schulzeit, um Schüler nach/von Schulzentrum Reutte zu befördern. Dieses Lähn
bitte nicht verwechseln mit der Haltestelle Lähn, dem höchsten Punkt unserer
Strecke. Zu dem kommen wir später. Unser Zug
fährt hier in Bad Kreckelmoos durch, wir haben noch kurz Gelegenheit einen Blick auf die links
liegende Schischanze zu werfen, und schon fahren wir wieder in die Steigung, die
nun durch den Lähnwald führt. Diese Steigung wird von vielen Kemptener
Lokführern als "Katzenbuckl" bezeichnet, da die Flur hier den Namen
"Katzenberg" trägt. Wenn die Bäume den Blick nach Rechts freigeben,
können wir unter uns die Bundesstraße B 179 erkennen. Über uns Rechts die
Ruine Ehrenberg und dahinter die Obere Schlossruine, rechts unten im Tal die
dazugehörige Klause und links oben die Ruine Hochschanz. Eine Besichtigung
dieses Ensembles ist immer ein Erlebnis. [Infos über die Ruinen hier]
Aber bevor wir über die Vergangenheit dieser Gegend nachdenken können, taucht unser Zug bei ÖBB-km 5,2 mit einem lauten Pfiff in den dunklen, 512 m langen Klausentunnel ein. Nachdem wir diesen verlassen haben, ist das Gröbste überstanden, unmittelbar nach Tunnelausgang überqueren wir auf einer Brücke die B 179, die uns nun auf der linken Seite für kurze Zeit begleiten wird. Es geht noch ein wenig auf und ab, bis die Strecke etwa ab der ehemaligen Haltestelle Tanellerkar (ÖBB-km 6,9) zu fallen beginnt. Rechts ist der Karlift (Skilift) zu erkennen, links führt die B 179 ins Tal nach Heiterwang. Hinter der Ortschaft erkennen wir rechts vom 1841 m hohen Tauern den Heiterwanger See, der mit dem Plansee verbunden ist. Nach leichten Kurven führt uns die Strecke in einem Linksbogen der Haltestelle Heiterwang-Plansee (ÖBB-km 8,8 - 1012 m Höhe) zu. Wir halten an und befinden uns nun auf 1012 m über NN. Hier stand einst ein wunderschönes Bahnhofsgebäude, welches leider abgebrochen wurde. Ein Wartehäuschen aus Beton und ein von der Bahnmeisterei genutzter Schuppen bilden diese Station. [Info: Heiterwang]
Nachdem wir auch Heiterwang-Plansee verlassen haben, schlängelt sich unsere Strecke mit einigen Links- und Rechtskurven durch das Tal, zunächst über eine freie Fläche, dann durch den Wald. Nach etwa 3 Minuten errechen wir die Bedarfs-Haltestelle Almkopfbahn (ÖBB-km 11,61). Hier halten die Züge nur in der Wintersaison von 8.00 - 18.00 Uhr. Den Grund erkennen wir ganz leicht, die Haltestelle befindet sich unmittelbar neben der Talstation der gleichnamigen Seilbahn, die im Winter von den Skifahrern bevölkert wird. Im Sommer ist hier die Sommerrodelbahn in Betrieb. [Info: für Skifahrer | für Freunde der Sommerrodelbahn]
Direkt nach der Haltestelle Almkopfbahn unterqueren wir wiederum die Bundesstraße B 179 die wie wir den Ort Bichlbach zustrebt. Nun dominiert kurze Zeit die links liegende Kohlbergspitze (2202 m). Während der Reisende sicherlich das Bergpanorama bewundert, konzentriert sich der Lokführer auf das Einfahrvorsignal des Bahnhofs Bichlbach-Berwang. Für unseren Zug zeigt es die Stellung "Hauptsignal frei", so dass das dazugehörige Einfahrsignal die Stellung "Frei" anzeigt. Unser Zug fährt also nun in den Bahnhof Bichlbach-Berwang (ÖBB-km 13,1 - 1072 m Höhe) ein. Direkt links an den Bahnhof grenzt der Tier-, Spiel- und Streichelzoo, der gerade für Kinder ein Erlebnis ist. (Geöffnet von Mai bis Oktober). [Info: Bichlbach | Streichelzoo]
Der anwesende Geschäftsführer des Bahnhofs Bichlbach-Berwang erteilt nun, da in seinen Augen unserer Weiterfahrt nichts mehr im Wege steht, unserem Zugführer die Zustimmung zur Abfahrt. Und nachdem unsere Türen geschlossen sind und die Abfahrtszeit ebenfalls erreicht ist, erteilt der Zugführer nun unserem Lokführer den Abfahrauftrag. Dies ist nötig, da der Bahnhof keine Ausfahrsignale hat. Den Bahnhof verlassen wir mit 40 km/h, nach der Ausfahrweiche folgt eine Brücke, die nur mit 30 km/h befahren werden darf. Nun geht es mit den zulässigen 60 km/h entlang des links liegenden Hanges weiter durch das Tal. Wie man deutlich erkennen kann, sind hier schon eine Vielzahl von Lawinen abgegangen, die auch unsere Strecke schon öfters blockiert haben. Blicken wir lieber auf das rechts liegende Tal, welches von der 2225 m hohen Bleispitze überragt wird. Nach wenigen Minuten führt unsere Strecke durch einen weiten rechten Bogen. Auf der linken Seite liegt nun ein ungewöhnlich großer Grashang, der Lawinenverbauungen aufweist. Hier fanden wir bis vor einigen Jahrhunderten die Ortschaft Lähn. Diese wurde einst von einer Lawine zerstört und am heutigen Standort wiedererrichtet. Immer wieder steigt unsere Strecke leicht an. Nun wird der Grashang in einer weiten Linkskurve umfahren und nach ein paar Pfiffen mit der Triebfahrzeugpfeife erreichen wir wiederum in einer langgezogenen Rechtskurve die Haltestelle Lähn (ÖBB-km 16,4), mit 1106 m den höchsten Punkt unserer Strecke.
Ein kurzer Halt zum Aus- und Einstieg von Reisenden, schon geht's weiter. Nachdem wir den höchsten Punkt der Strecke überwunden haben, geht es natürlich wieder bergab. In der erwähnten Rechtskurve umfahren wir die Ortschaft Lähn. Nach einer Linkskurve muss unser Tf den Triebwagen abbremsen, um nicht schneller zu werden, als die zulässigen 60 km/h. Mit leichten Kurven schlängelt sich unsere Strecke wieder ins Tal Richtung Lermoos. Rechts können wir erkennen, wie die B 179 kurz vor Lermoos im Tunnel in Richtung Fernpass verschwindet. Auch unsere Strecke verschwindet kurz im Lermooser Tunnel, der jedoch nur eine Lawinenverbauung darstellt. Vor dem Tunnel hat unser Zug bereits das Einfahrvorsignal und das Einfahrsignal von Lermoos passiert, die uns freie Fahr signalisiert haben. Unmittelbar am Tunneleingang steht das erwähnte Einfahrsignal. Und am Tunnelende endet das Gefälle, wir befinden uns im Bahnhof Lermoos (ÖBB-km 20,4 - 1004 m Höhe). Neben einem schönen Bahnhofsgebäude hat hier die Bahnmeisterei ein eigenes Gebäude und Lagermöglichkeiten. Aber das interessiert nur die wenigsten unserer Fahrgäste. Da ist die Hinweistafel auf die Grubigstein-Bahn schon interessanter. [Infos: Lermoos | Skigebiet Grubigstein]
Der Bahnhof Lermoos ist nicht besetzt. Das sieht das Zugpersonal am Signal
.
Wenn dieses Signal nicht gezeigt werden würde, muss der Bahnhof mit einem
Geschäftsführer besetzt sein, der (wie in Bichlbach-Berwang) dem Zugführer
die Zustimmung zur Abfahrt gibt. In unserem Fall gibt der Zugführer ohne eine
besondere Zustimmung den Abfahrauftrag, wenn alle anderen Bedingungen zur
Abfahrt erfüllt sind (Abfahrtszeit, Türen geschlossen usw.) Unser Lokführer
beschleunigt den VT zunächst auf 40 km/h. Auch der Bahnhof Lermoos besitzt
keine Ausfahrsignale. Den Reisenden werden diese Dinge weniger interessieren. Er
wird sich wohl eher an dem direkt vor uns liegenden Wettersteingebirge mit der
höchsten Erhebung Zugspitze (2963 m) erfreuen. Mit dem Zugspitz-Massiv im
Hintergrund werden wohl die schönsten und bekanntesten Aufnahmen von Zügen auf
der Außerfernbahn gemacht worden sein. Auch in unserer Zeit zieht diese
Kombination eine Reihe von Fotografen an. Wir erfreuen uns also an der
Landschaft, während unser Tf den VT auf die zulässigen 60 km/h beschleunigt
hat. Auch der Ausblick auf die Ortschaft Lermoos rechts unter uns ist nicht zu
verachten. Nach kurzer Fahrt bremst unser Tf auf 30 km/h, denn wegen Schäden am
Gleis wurde hier für einige 100 m eine Langsamfahrstelle (La) eingerichtet.
Zunächst sind wir am Ankündigungssignal für die La vorbeigefahren
.
Hier liegt ein 1000 Herz-Indusi-Magnet. Der Tf drückt die Wachsamkeitstaste,
sonst würde er eine Zwangsbremsung bekommen. Der Beginn der La wird durch das
Angangssignal
gekennzeichnet (Zeichnung etwas verfälscht). In engen Kurven entlang eines
Hanges verläuft unserer Strecke nun oberhalb der rechts liegenden Bundesstraße
B 187 (Lermoos - Griesen - B 23 Garmisch-Partenkirchen). Nach dem Endsignal
der La wird wieder auf die zulässigen 60 km/h beschleunigt. Weiterhin im
Gefälle geht es nun durch ein wenig felsige Landschaft. Schneller als erwartet
passieren wir das Einfahrvorsignal des Bahnhof Ehrwald (Zugspitzbahn). Es zeigt
die Stellung "Hauptsignal frei mit höchstens 40 km/h". Aus diesem
Grund ist auch der hier liegende 1000 Herz Indusi-Magnet 'scharf' und der Tf
drückt die Wachsamkeitstaste. Während die rechts sitzenden Fahrgäste immer
noch das schöne Panorama betrachten, sehen die links sitzenden Personen auf die
steinigen Felswände, die oftmals von angehenden Bergsteigern zur Schulung
genutzt werden. Unser Tf bremst den Zug bis zum Einfahrsignal (Stellung
"Frei mit höchstens 40 km/h") auf 40 km/h herunter und fährt so in
den Bahnhof Ehrwald (Zugspitzbahn) ein. Ein weiteres bekanntes Fotomotiv - das
steinerne 53,45 m lange Loisach-Viadukt - wird befahren. Die Einfahrt in den Bahnhof erfolgt
fast in einer 90°-Linkskurve. Jetzt bremst unser Lokführer auch noch auf 15
km/h, denn so langsam darf der Bahnübergang am Anfang unseres Bahnhofs befahren
werden. Pünktlich kommt der Zug zum stehen (Bf Ehrwald-Z. ÖBB-km 23,3). Während sich der Fahrdienstleiter
zu Fuß an die soeben passierte Einfahrweiche begibt, um diese von Hand für den
Gegenzug umzustellen, sieht man manche Personale im Bahnhofsgebäude
verschwinden. Den Geldbeutel oder 0,40 € in der Hand. Den Grund sehen wir
kurze Zeit später, denn Lok- und Zugpersonal kommen mit einem Kaffee-Becher in
der Hand zurück. Viele bevorzugen hier den einmaligen Moccacino... Man merkt,
auch der Verfasser dieser Zeilen kann es nicht lassen :-) Kurze Zeit später
fährt der Gegenzug ein. Ein kurzer Plausch der Personale, dann erteilt der
Fahrdienstleiter unserem Gegenzug, nachdem er ihm das Ausfahrsignal in Stellung
"Frei" gebracht hat, den Abfahrauftrag. Während vielleicht noch das
eine oder andere Foto geschossen wird, die Zugspitze liegt rechts, die
Sonnenspitze (2417 m) direkt hinter uns, erwartet unser Zugpersonal vom
Fahrdienstleiter den Abfahrauftrag. Dieser musste zuvor auch die Ausfahrweiche
Richtung Garmisch-Partienkirchen von Hand umlegen. In der Nähe des Bahnhofes
fährt der Pendelbus der Tiroler Zugspitzbahn ab. Auch die Ehrwalder Almbahn ist
ein beliebtes Ziel. [Infos: Ehrwald
| Tiroler Zugspitzbahn + Ehrwalder Almbahn]
Stand: 29.09.2002